Luxus im Wandel

Der Luxusbegriff ist im Wandel. Immer öfter meint Luxus Dinge, die man in keinem Laden kaufen kann. Immateriell muss er sein und bezieht sich auf unvergessliche Erlebnisse sowie die Zeit für diese. Auch beim Thema „Reisen“ erfolgt ein Umdenken.

„Bling Bling“ im Fünf-Sterne-Kettenhotel ist out, „Glamping“ im Edel-Zelt unter dem Sternenhimmel dagegen durchaus angesagt. Schöne Dinge und Reisen verlieren nicht an Bedeutung, doch an die Stelle von Glanz und Glamour rücken authentische Produkte, die Werte und Understatement vermitteln.

Anlässlich des Themenschwerpunktes „Wandel von Kunden im Luxussegment“ der Reisemesse ITB 2019 beantwortet Timo Kohlenberg, Geschäftsführer des Spezialreiseveranstalters America Unlimited und des Luxusreiseveranstalters Feinreisen, Fragen nach dem neuen Luxus.

Luxus 1999, 2009 und 2019 – Gibt es einen Unterschied?
Timo Kohlenberg:
Ja, auf jeden Fall gibt es einen Unterschied und eine Entwicklung bei dem, was Menschen damals und heute unter Luxus verstehen. Der Prunk der späten 90er Jahre ist heute nicht mehr gefragt. 2019 zählen authentische Erlebnisse, Exklusivität, exquisites Essen und ein Top-Service. Die Software ist heute noch wichtiger als die passende Hardware. Luxus im klassischen Sinne von Fünf-Sterne-Hotel ist inflationär geworden.

Was sind die Auslöser für den Wandel des Luxusbegriffs?
Timo Kohlenberg:
Einen großen Einfluss auf die neue Wahrnehmung des Begriffs haben die Digitalisierung und die Sozialen Medien. Die Inspirationsquellen haben sich vervielfältigt. Zum klassischen Reisekatalog aus dem Jahr 1999 gesellen sich im 21. Jahrhundert erst das Internet, dann Facebook, Instagram und Youtube. Das hat Auswirkungen. Eine Urlaubsdestination oder ein Hotel qualifizieren sich heute nicht nur durch einen schönen Strand oder ein komfortables Zimmer, sondern auch durch Faktoren wie „Fotogenität“ und „Fame“. Je jünger die Reisenden, desto wichtiger werden Fragen wie: „Welches einzigartige Instagram-Bild kann ich von meinem Urlaub posten?“ und „Wer, beziehungsweise welcher Influencer war vor mir da?“.

Wo zeigt sich der Wandel denn am meisten? Am Kunden oder am Produkt?
Timo Kohlenberg:
Die Änderungen betreffen das Produkt und die Kunden. Wir stellen fest, dass Hotels sich heute sehr um Begriffe wie Authentizität, Regionalität, individuelles Design und den vielgepriesen „individuellen Wohlfühlfaktor“ bemühen und auch technologisch „aufrüsten“. Viele Standardhotelketten versuchen durch die Schaffung neuer Marken in Richtung Boutiquehotel zu gehen, wie z.B. Hyatt mit seiner noch relativ jungen Marke „Andaz“. In Destinationen wird heute ein deutlich größeres Angebot an Erlebnistouren angeboten. Diese reichen von der Walbeobachtung in Manitoba bis hin zur „Sex in the City“-Tour in New York. Auf der Kundenseite haben wir es heute mit deutlich jüngeren und reicheren Reisenden zu tun. Diese Klientel ist erstklassigen Service, gutes Essen und eine edle Zimmerausstattung bereits gewöhnt, da macht der Erlebnisfaktor den großen Unterschied.

Werden heute andere Destinationen gebucht und was ist denn gerade „en vogue“?
Timo Kohlenberg:
Die Klassiker wie Kalifornien, Hawaii, New York oder der Dauerbrenner Kanada gehen immer (noch). Hier sind es andere Produkte, die gebucht werden: stylischer, schicker, mit mehr Design und einem hohen Erlebnisfaktor. Dazu zählen z.B. „Glamping“-Aufenthalte in den Edelzelten von „Under Canvas“ inmitten der Natur eines US-amerikanischen Nationalparks oder ein Tag als Cowboy auf der La Reata Ranch im Süden Kanadas. Wir verzeichnen parallel eine wachsende Nachfrage zu authentischen Reisezielen wie Indien und Oman.

Spielen Begriffe wie Digitalisierung, Big Data und künstliche Intelligenz eine Rolle beim Wandel des Luxus oder gilt „offline“ als neuer ultimativer Luxusgedanke?
Timo Kohlenberg:
Die Menschheit ist so verschieden wie die Antwort auf diese Frage. Einen Urlaub „offline“ wünsche ich mir nicht. Ich bin neuen Technologien und Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen. Als Vielreisender begeistert es mich, wenn das Personal im Hotel schon weiß, dass ich meinen Kaffee ohne Milch trinke und einen Parkplatz in der Tiefgarage benötige. Trotz aller Risiken, die Big Data birgt, überwiegt für mich beim Reisen der Nutzen. Was künstliche Intelligenz wie den automatisierten Concierge betrifft, so widerspricht das dem Luxusgedanken, der ja gerade auf persönlichen Service und Individualität setzt.

Ist Luxus im Sinne von „Glamour und Komfort“ tatsächlich out und zählen nur noch die immateriellen Erlebnisse?
Timo Kohlenberg:
Nein, es gibt natürlich auch immer noch den klassischen Luxusreisenden, der First Class fliegt, im Fünf-Sterne-Hotel absteigt und den Hoteltransfer mit der Limousine bucht, aber die Tendenz, vor allem bei den jungen Reisenden ist eindeutig immateriell. Lieber wohnt man in einem landestypischen Hotel, lernt bei Ausflügen Land, Leute und andere Kulturen kennen. Hier geht es viel um das „Vorzeigen, was man erlebt“ während der Reise und das „Kopfkino“, das man in der Heimat wieder aufrufen kann.

Was macht den Luxusgedanken des Reisens in Zukunft aus?
Timo Kohlenberg:
Die heutige Welt ist schnelllebig. Sicher ist nur, das Verständnis von Luxus wird sich weiter wandeln. Wie es sich wandelt und durch was es beeinflusst wird, ist schwer vorherzusagen. Bleiben wird der Wunsch, etwas zu erleben, was noch nie jemand anderes erlebt hat. Dieser Gedanke wird in Zukunft zum ultimativen Reiseziel und ist so der ständige Motor für die Suche nach neuen Produkten, Dienstleistungen und Destinationen.

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