Chromjuwelen für mehr als eine halben Milliarde Dollar

Über ein „phänomenal erfolgreiches Jahr“ jubelte jetzt, da sich 2021 dem Ende nähert, Gord Duff. Der Mann ist Chefversteigerer beim weltweit wichtigsten Auktionshaus für edelste Oldtimer, RM Sotheby’s aus Blenheim in der kanadischen Provinz Ontario. „Wir haben erfolgreich sämtliche Hindernisse, die uns die Pandemie in den Weg gestellt hat, gemeistert und freuen uns jetzt auf ein aufregendes 2022“, gab er stolz bekannt.

Sotheby’s hat in der Tat allen Grund, zu Silvester die Champagnerkorken knallen zu lassen. Insgesamt 25 Versteigerungen, davon zwölf online und 13 mit bietendem Publikum vor Ort, ließen fast 407 Millionen US-Dollar (etwas mehr als 360 Millionen Euro) in der Kasse klingeln. Hinzu kamen 150 Millionen Dollar (134 Millionen Euro) aus ganz normalen Verkäufen von Oldtimern im Auftrag privater Sammler. Macht unter dem Strich die stolze Summe von weit mehr als einer halben Milliarde Dollar.

Traditionsgemäß besonders locker saß der Dollar in den Taschen der Interessenten, die sich vom 12. bis zum 14. August am Pebble Beach in Monterey, Kalifornien, anlässlich der drei Tage währenden Southeby’s-Auktion an der Pazifik-Küste versammelt hatten. Von den dort angebotenen 161 Old- und Youngtimern, unter denen sich auch zwei Motorräder und eine Velosolex befanden, wechselten 90 Prozent den Besitzer. Durchschnittlich erzielte jedes der Fahrzeuge knapp mehr als eine Million Dollar. Dem erfolgreichen Bieter für das Velosolex war das 50 Jahre alte Mofa 66.000 Dollar (58.740 Euro) wert. In erster Linie wohl nur deshalb, weil 1971 damit Hollywood-Größe Steve McQueen bei den Dreharbeiten für seinen Film „Le Mans“ am Set herumgekurvt ist.

Zu Jahresende hatten die Auktionatoren von RM Sotheby’s insgesamt 3446 Fahrzeuge und automobile Raritäten aus 46 Staaten unter den Hammer genommen und das Interesse von zahlungskräftigen Bietern aus 70 Nationen geweckt. Über die Hälfte von ihnen hatte zum ersten Mal ihr Auge auf das Angebot des kanadischen Marktführers geworfen.

Die zehn Spitzenreiter unter den versteigerten Chromjuwelen waren
– ein 1962er Aston Martin DB4GT Zagato (in Monterey verkauft für 9.520.000 Dollar / 8.473.000 Euro)
– ein 1962er Ferrari 268 SP von Fantuzzi (in Monterey verkauft für 7.705.000 $ / 6.858.000 €)
– ein 1966er Ferrari 275 GTB Competizione von Scaglietti (in Monterey verkauft für 7.705.000 $ / 6.858.000 €)
– ein 1955er Ferrari 250 GT Berlinetta Competizione von Pinin Farina (aus der Guikas Kollektion verkauft für 7.024.370 $ / 6.125.170 €)
– ein McLaren-Mercedes MP4-25A Formel 1 von 2010 (6.528.470 $ / 5.810.000 €)
– ein Jaguar D-Type von 1955 (verkauft in Arizona für 6.000.000 $ / 5.340.000 €)
– ein 1958er Ferrari 250 GT LWB Berlinetta „Tour de France“ von Scaglietti (verkauft in Monterey für ebenfalls sechs Millionen Dollar)
– ein 1929er Duesenberg Model J „Disappearing Top“ Torpedo von Murphy (verkauft auf Amelia Island für 5.725.000 $ / 4.695.000 €).
– ein 1958er Ferrari 250 GT Cabriolet Series I von Pinin Farina (aus der Guikas Kollektion verkauft für 5.014.470 $ / 4.579.000 €)
– ein Bugatti Type 57 SC Tourer von Corsica aus dem Jahr 1937 (verkauft in Arizona für 4.735.000 $ / 4.214.000 €).

Das Ziel, einen zweistelligen Dollar-Millionenbetrag einzustreichen, blieb den Versteigerern in diesem Jahr allerdings versagt. Für eine Summe von zwischen geschätzten 16 Millionen als Mindestpreis und 18,5 Millionen Dollar, also bis zu 16,5 Millionen Euro, sollte ein Porsche 917 K von 1970 wert sein. Er hatte immerhin eine tragende Rolle im Film „Le Mans“ gespielt. Doch mehr als 15 Millionen Dollar war niemand bereit, für den Rennwagen auf den Tisch zu legen.

Also blieb das Auto in der Garage.

Fotos: Autoren-Union Mobilität/RM Sotheby’s

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