Audi Skysphere Concept – eine Vision für die Zukunft

(Jens Meiners, Autoren-Union Mobilität) Drei neue Concept Cars sollen bei Audi den Kurs in die Zukunft vorgeben – und um die zahlreichen Fans der Marke dabei für eine elektrische und autonome Zukunftsvision mitzunehmen, beginnen die Ingolstädter mit dem faszinierendsten Konzept: einem großen, offenen Gran Turismo, der auf dem berühmten Concours d’Elegance im kalifornischen Pebble Beach vorgestellt wird.

Passend zum Ort der Premiere, am Nordende der berühmtesten Etappe des Highway One, soll er sowohl sanftes Dahingleiten als auch die aggressive Kurvenhatz beherrschen.

Wir haben die Studie allerdings schon vorher in Augenschein genommen, nämlich in Ingolstadt, bei einem Fototermin mit Audi-Chefdesigner Marc Lichte. Und dabei wurde deutlich, dass das Audi Skysphere Concept voller innovativer Ideen steckt, die sich in künftigen Audi-Modellen wiederfinden werden.

Das überraschendste Detail wird allerdings nicht in Serie gelangen: Die Ingenieure haben dem Skysphere Concept einen variablen Radstand verpasst. Im Selbstfahrmodus verfügt der Zweisitzer über einen relativ kurzen Radstand, unterschreitet aber insgesamt mit 494 cm Gesamtlänge nur knapp die Fünf-Meter-Marke. Dann schiebt sich dem Fahrer die großzügig verglaste Armaturentafel entgegen, die kantigen Pedale fahren zum Fahrer hin aus und ein griffiges Vierspeichen-Volant fordert dazu auf, die Kontrolle zu übernehmen. Die Fahrerhandschuhe verbergen sich in einem Fach vor dem Instrumententräger.

Der Charakter ändert sich vollständig, wenn das Skysphere Concept in den autonomen Modus wechselt: Das Lenkrad kippt nach unten weg und wird elektrisch eingezogen, die Pedale fahren in einen flachen Fußraum zurück und die Armaturentafel wird zum horizontalen Glasstreifen. Und auch der Wählhebel senkt sich in die Mittelkonsole, wo eine vertikal betonte Uhr im Art-Déco-Design als Blickfang der edelsten Sorte dient.

Die Außenform ändert sich entsprechend, wobei Audi-USA-Designchef Gael Buzyn, der die Studie gezeichnet hat, ein Kunststück gelungen ist: Das Auto wirkt sowohl mit kurzem als auch mit ausgefahrenem Radstand völlig harmonisch. Allerdings ändert sich der mit Lichtelementen simulierte Frontgrill: Im kurzen Selbstfahr-Modus wird ein Audi-Singleframe angedeutet, im autonomen Modus zieht sich das Leuchtenband in die Breite und teilt den angedeuteten Kühlergrill – wie in der Übergangsphase zum Singleframe Anfang der Nuller-Jahre.

Die Rückleuchten laufen eher diffus über die gesamte Breite, der angedeutete Überrollschutz präsentiert sich klassisch als Verlängerung der Kopfstützen. Die Seitenscheiben sind mit metallischen Kanten abgesetzt, und wenn das Wetter Kapriolen schlägt, legt sich ein in Kontrastfarbe gestaltetes Stoffdach über die ausgesprochen luxuriös ausstaffierte Kabine. Sogar ein eigenes Kofferset hat Audi entwickelt. Die vordere Haube ist übrigens entlang einer präzise geführten Fuge in Längsrichtung geteilt.

Gerade die lange Fronthaube gibt Anlass zu wehmütigen Betrachtungen: Darunter würde vermutlich auch ein Acht- oder Zwölfzylinder-Motor passen – vielleicht sogar ein Sechzehnzylinder wie in der Ära der Silberpfeile? Mit synthetischen E-Fuels betrieben könnte ein erfrischendes Signal für Fahrfreude und Umweltfreundlichkeit gesetzt werden.

Statt dessen ist das Audi Skysphere Concept mit einem Elektromotor bestückt. Das Aggregat sitzt im Heck und soll – konzeptionell – 465 kW/632 PS und ein maximales Drehmoment von 750 Newtonmetern produzieren. Immerhin: Audi hat eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in glatten vier Sekunden und eine WLTP-Reichweite von über 500 Kilometern errechnet.

Übrigens legt Audi Wert darauf, dass diese Studie vom Horch 853 Roadster inspiriert sei. Dass die Ingolstädter auf den Luxus-Schlitten von 1937 bezugnehmen, hat einen konkreten Grund: Die Marke Horch steht vor der Wiederbelebung – in Analogie zu Maybach als luxuriöser Ergänzung von Mercedes-Benz. Auf die nächsten Schritte aus Ingolstadt macht das Skysphere Concept jedenfalls großen Appetit.

Fotos: Autoren-Union Mobilität/Audi

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