Staatsmänner und Schlagabtausch

„Golf ist der größte Spaß, den man mit angezogenen Hosen haben kann“, verkündete einst der US-amerikanischer Profigolfer Lee Trevino. In der Tat ist der Rasensport nicht nur auf dem Platz ein Garant für unterhaltsame Abwechslung und Anekdoten:

Golfen und regieren
In den USA haben golfspielende Mächtige Tradition, trotzdem wird ihnen oftmals vorgeworfen, zu viel Zeit auf den Fairways zu verbringen. Auch der aktuelle Präsident der Großmacht, Donald Trump, steht für seine regelmäßigen Golfrunden in der Kritik: Bis zum 12. Juni dieses Jahres war er bereits 17 Mal beim Golfen, sein Vorgänger Barack Obama gesehen auf den gleichen Zeitraum seiner Präsidentschaft nur fünf Mal. Kurioserweise hatte Trump Obama, als dieser noch im Amt war, selbst mehrfach, unter anderem via twitter, für dessen häufiges Golfspiel an den Pranger gestellt.

Präsident mit Handicap
17 Golfplätze, und damit mehr als jeder andere Politiker, betreibt Donald Trump unter seinem Namen, unter anderem einen für 50 Millionen Euro erworbenen Platz samt Hotel in Turnberry an der schottischen Westküste. Der Präsident, Multimilliardär, Immobilienspekulant und Casino-Betreiber ist seit ein paar Jahren intensiv mit dem Bau und Betrieb teuerster Golfplätze beschäftigt (Gebühr: 200 Dollar pro Runde und mehr) und stolz auf seinen Golf-Enthusiasmus, wie sein Spruch belegt: „Ich glaube, mir gehört die großartigste Sammlung an Plätzen, die ein einzelner Mensch besitzt!“

Politikerschläger zum Verkauf
Schlagzeilen macht Donald Trump in puncto Golf auch durch eine Auktion: So wurde kürzlich bekannt, dass ein exklusiver, alter Golfschlägersatz des Präsidenten öffentlich verhökert werde. Das Auktionshaus RR Auction in Boston verspricht sich davon einen Erlös von 300.000 US-Dollar und lässt verlauten, die mit den Großbuchstaben „D.TRUMP“ gekennzeichneten Schläger habe Trump einst seinem Caddie Andrew Lombardi geschenkt, nachdem er zuvor mit ihnen zehn Jahre lang auf seinem eigenen Platz in Bedminster, New Jersey, gespielt habe.

Golf-Größenwahn in Schottland
Donald Trump ist für sein äußerst selbstbewusstes Auftreten bekannt. Dazu passt auch die aktuelle Kennzeichnung seiner Golfschläger mit „DJT1“, was für „Donald John Trump der Erste“ stehen soll. Der amtierende amerikanische Präsident hat keine Scheu vor großen Visionen: Er beschloss 2006 auf 800 Hektar Naturschutzgebiet im schottischen Aberdeen den schönsten Golfplatz der Welt zu bauen – mit Luxushotels, Appartements und Villen. Der Widerstand der Schotten gegen das Milliarden-Projekt war groß, doch am 15. Juli 2012 wurde „Trump International Scotland“ schließlich eröffnet – und wer das nötige Kleingeld hat, kann auf Donald Trumps Spuren wandeln: 150 britische Pfund, knapp 190 Euro, kostet einmal Trump-Golf. Am Wochenende werden 200 Pfund verlangt. Einheimische kriegen 20 Prozent Rabatt.

Trump und Langer
Auch Golf-Legende Bernhard Langer wurde zu Trumps Spielball: So wetterte der Multimilliardär über Betrug bei der Präsidentschaftswahl und benannte Langer kurzerhand als Kronzeugen. Sein Golf-Freund Langer könne bestätigen, dass Millionen illegaler Einwanderer Hillary Clinton gewählt hätten. Der Golf-Profi habe erzählt, er sei vor einem Wahllokal abgewiesen worden, während andere, die nicht nach wahlberechtigten Amerikanern aussahen, hineingedurft hätten, verkündete Trump. Dumm nur, dass Langer nichts davon wusste und in den USA gar nicht wahlberechtigt ist…

„No Go!“ auf dem Platz
Dass Trump kein Garant für vorbildliches Verhalten ist, wurde jüngst auf seinem Platz in New Jersey offensichtlich: Ein Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert, zeigt ihn auf dem Platz des „Trump National Golf Club“ mit seinem Cart über das Grün fahren – ein absolutes „No Go!“ für jeden Golfer, wie selbst Nicht-Golfer wissen.

Sport der Bourgeoisie
Auch andere Länder haben es schwer mit ihren golfenden Präsidenten. In Venezuela sind die Aussichten für die rund 5.000 Golfer des Landes denkbar trübe: Präsident Hugo Chavez will das Land in einen sozialistischen Musterstaat verwandeln und verteufelt Golf als „Sport der Bourgeoisie“. Mehrere der einst über 20 Golfplätze des Landes wurden schon geschlossen. Dabei ist der Staatsmann bereits selbst Golf spielend gesehen worden …

Golf statt Basketball
Ob Trump das Golfen auch dank einer Frau für sich entdeckte? Fest steht, dass EX-US-Präsident Barack Obama durch seine Frau Michelle Geschmack an dem Rasensport fand. Als ihr die Basketball-Verletzungen ihres Mannes, damals noch Senators in Illinois, zu viel wurden, legte die spätere First Lady ihrem Gatten den Golfsport ans Herz. Nach einem Jahr hatte Obama, der bereits in der Schule einige Male den Schläger geschwungen hatte, sein Handicap auf 24 heruntergespielt.

Golf rund um die Uhr
Besonders gut haben es die wenigen isländischen Politiker getroffen: Die 103.000 Quadratkilometer große Insel bietet ihren 300.000 Einwohnern mit 65 Golfplätzen erstaunlich viele Gelegenheiten für den Schlagabtausch. Die 15 Anlagen mit 18 Löchern und 50 Golfplätze mit 9 Löchern sind aufgrund der nördlichen Lage noch dazu quasi rund um die Uhr bespielbar, wenn nicht gerade Schnee liegt …

Auf den Hund gekommen
Ob Politiker oder nicht, so einen Vierbeiner hätte jeder Golfer gerne: In Minnesota ist seit Jahren Al Cooper mit seinem Berner Sennenhund Davos auf den Golfplätzen unterwegs.  Der Rüde hat sich als Spürhund einen Namen gemacht. Er findet nicht nur die verschlagenen Bälle seines Herrchens wieder, sondern hat dabei bislang auch über 400 weitere entdeckt. Cooper verkauft die Bälle für 25 Cent das Stück zugunsten einer Tierschutzorganisation.

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